Das Basler Bild

Ungefähr Von 1450 bis 1650 war Basel das Zentrum der schweizerischen Spielkarten-Produktion. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts entwickelte sich, vor allem in Basel, das System der Deutschschweizer Farbzeichen. Die aus dieser Zeit erhaltenen Karten sind einander in Motiv und Stil sehr ähnlich. Sie zeigen die heute noch üblichen Farbzeichen Schellen, Eicheln, Schilten und Rosen.
Vor allem die Wappen auf den Schilten führten dazu, dass diese Karten heute als "Basler Bild" bezeichnet werden. So tauchte der Baselstab immer wieder auf Schilten-7 und -9 auf, und wurde zu einem Qualitätmerkmal, das bestehen blieb, als sich im 17. Jahrhundert die Spielkarten-Produktion von Basel nach Epinal verlagerte. Zudem erschien das Wappen der Familie Halbisen, der ersten bekannten Spielkartenmacher, sowie die Wappen von verschiedenen bedeutenden Basler-Geschlechtern aus dieser Zeit.

Karnöffel Schilten
Willisauer Spielkarten
Sammlungs-Nr.
2153
Replica von Karten von verschiedenen Druckstöcken, Basler Bild
AG Müller, 1998 , 62 x 43mm, Rückseite uni beige
Kartonbox, 48 + 2 Karten

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Karnöffel Eicheln

Die Karten wurden als Holzschnitte gedruckt und mit Schablonen koloriert. Vermutlich waren die Originalfarben kräftiger. Die Karten waren wesentlich kleiner als heute üblich, sie massen nur ungefähr 40 x 60 mm.
Ein Spiel bestand aus 48 Karten, vier Farben mit je 2 - 9, Banner als 10, Unter, Ober und König.
Jassen war damals noch unbekannt. Die Karten wurden vielleicht zum "Kaisern" benutzt.

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Karnöffel Schellen

Die Stadt Wilisau besitzt einen grossen Bestand von über 80 Karten dieses Typs. Auch in Luzern, 139 Stück, und in Basel, 50 Stück, befinden sich Originalkarten. Diese stammen alle aus Buchdeckeln von Amtsbüchern aus dem 16. Jahrhundert. Ein vollständiges Kartenspiel aus der Zeit ist nicht erhalten. Von den Wilisauer Karten, ergänzt mit Karten aus dem Basler historischen Museum wurde 1998 ein vollständiges Spiel mit Karten in Originalgrösse nachgedruckt.

Karnöffel Rosen
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500-jährige Spielkarten im Buchdeckel
Entdeckung der Nidwaldner Staatskanzlei in Gerichtsprotokoll-Band

Unter diesen oder ähnlichen Überschriften machte im Mai 2011 ein Fund aus Stans Schlagzeilen. Die folgenden Texte sind zum Teil den Artikeln in den Zentralschweizer Medien entnommen.

Spielkartefund Mai2011 in Stans

Selten und unerwartet ist ein Fund im Nidwaldner Staatsarchiv: Bei der Restaurierung eines Protokollbuchs aus dem 16. Jahrhundert purzelten 90 Spielkarten aus dem Buchdeckel. Es sind Zeugen aus einer Zeit, in der die meisten Kartenspiele verboten waren.

Stans Schellen Stans Schellen
Stanser Spielkarten
Sammlungs-Nr.
2030
Replica von Karten des Stanser Fundes von 2011, Basler Bild
AG Müller, 2012 , 89 x 57mm, Rückseite Jutemuster beige
Juteetui, 48 Karten und Begleitpapier mit Kaiser-Spielregeln

Die Karten wurden mit grosser Sorgfalt und Sicherheit und mit grossen Aufwendungen neu rekonstruiert. Daraus entstanden ist ein noch nie dagewesenes Spielset mit 48 Karten. Das Format wurde den heutigen Gewohnheiten angepasst. Darauf wurden die restaurierten Bilder der 500-jährigen Karten leicht vergrössert abgebildet und oben und unten mit Farb- und Wert-Indizes ergänzt. Die Farben wurden aufgefrischt, so dass der Spieler einen Eindruck bekommt, wie die Karten vor 500 Jahren ausgesehen haben könnten. Leider wurden dabei einige Farben verfälscht, um das Spiel an die Gewohnheiten der heutigen Spieler anzupassen.

Nachdruck des Stanser Kaiserspiels

Gefunden hat die Karten eine Restauratorin während der Instandsetzung des zweitältesten Buches der Nidwaldner Verwaltung. Es ist nicht aussergewöhnlich, dass Buchdeckel alte Zeugnisse preisgeben, die mit dem Buch an sich nichts zu tun haben. Pergament- und Papierschnipsel, aber auch ganze Seiten und Schriftstücke wurden damals verwendet, um dem Buchdeckel Stabilität und Dicke zu verleihen. Aus diesem Grund sind zumindest aus handwerklicher Sicht der Buchbinderkunst die Spielkarten in den Schichtaufbau des Buchdeckels geraten. Christoph Baumgartner, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Nidwaldner Staatsarchivs, sagt dazu: Im Mittelalter hat man einfach nichts weggeworfen. Papier war damals wertvoll, Pergament erst recht. Da bot es sich an, anstelle von neuem Material abgelaufene Urkunden, alte Briefe, überzählige Buchseiten und eben auch Spielkarten zu verwenden.

Stans Eicheln

Die 90 Karten sind bereits im heute bekannten Deutschschweizer Farbensystem, es hat Rosen, Schilten, Schellen und Eicheln. Die Karten bestehen wie heute aus Karton, vermutlich in mehreren Schichten. Sie stammen aus einer Zeit des Umbruchs, denn vor der Erfindung des Drucks waren Spielkarten von Hand gezeichnet, teuer und somit der Oberschicht vorbehalten. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war man in der Lage, Spielkarten zu drucken. Sie wurden relativ günstig und fanden Eingang in Stuben und Wirtshäuser. Christoph Baumgartner bezeichnet die vorliegenden Karten als sogenanntes Basler Spiel. Basel war zu dieser Zeit ein Zentrum des Spielkartendrucks, das die ganze heutige Deutschschweiz und den Süddeutschen Raum belieferte.

Stans Schilten

Bisher gibt es, abgesehen von einzelnen Karten, nur wenige wichtige Funde von historischen Spielkarten. Zweimal wurden Spielkarten in Schaffhausen gefunden, einen Fund gab es in Zürich, und in Luzern bewahrt das Staatsarchiv Karten auf, die vermutlich im Laufe der Zeit zusammengekommen sind, deren Fundorte aber nicht dokumentiert wurden. Nirgends, auch nicht in Stans, sind die Kartensätze komplett. In der Reihe der 90 Karten gibt es Lücken und es sind einzelne Karten zwei- und dreifach vorhanden. Christoph Baumgartner vermutet, dass tatsächlich unvollständige Spiele als Recycling gebraucht wurden mit den kompletten konnte man ja noch spielen.

Stans Rosen
ernst alder 20.6.2013 Kartenhaus.htm